Neustart mit Perspektive
Wie SOFIA geflüchtete Frauen dabei unterstützt, ihre beruflichen Stärken zu erkennen und neue Wege in den deutschen Arbeitsmarkt zu finden.
Berufliche Orientierung mit System:
Ein Weg durch das SOFIA-Programm
Vor zwei Jahren kam Ludmilla auf der Flucht vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine mit ihren zwei Kindern nach Hamburg. Sie hat eine Wohnung gefunden und die Kinder sind nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile gut in ihren Schulklassen integriert. Jetzt ist die gelernte Einzelhandelskauffrau, die zuletzt in einem Vorort von Kiew eine Supermarktfiliale leitete, auf der Suche nach einer neuen beruflichen Existenz.
„Ich möchte selbst für mich
und meine Kinder sorgen können!
Ich brauche Arbeit haben,
um zu überleben.“
Eine erste wichtige Hürde auf dem Weg in die Berufstätigkeit hat die 38-Jährige bereits genommen. Sie spricht Deutsch auf B2-Niveau. Aber wie geht es weiter? Fragen tauchen auf: Wie bewerbe ich mich? Und vor allem wo? Was wird vom Job-Center gefördert? Reicht eine Weiterbildung? Wie kann ich auf meine beruflichen Abschlüsse aus meinem Heimatland hier in Deutschland aufbauen? Auf der Suche nach Antworten hilft das BIN-Projekt SOFIA.
SOFIA stärkt geflüchtete Frauen, nicht nur aus der Ukraine, im Ankommensprozess mit einem umfangreichen vielsprachigen Beratungsangebot und praktischer Unterstützung im Hinblick auf ein selbstständiges Leben.
Frauen wie Ludmilla profitieren vom offenen Jobcoaching, das auch von denjenigen in Anspruch genommen werden kann, die noch keinen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) der Bundesagentur für Arbeit haben oder diesen nicht bewilligt bekommen. Auch ohne diese staatliche Förderung bekommen sie bei SOFIA die Orientierung, die sie brauchen, um den Übergang in die Berufstätigkeit zu schaffen.
Das Angebot richtet sich an Frauen, ob Mütter oder Singles, alleinstehend oder in einer Partnerschaft lebend, egal welchen Alters. Diese Frauen verbindet ihre Fluchterfahrung und der Wunsch, nicht isoliert zu sein und sich in die Gemeinschaft einzubringen.
„SOFIA hilft eine Brücke zu bauen zwischen den eigenen Kompetenzen und den Anforderungen
des deutschen Arbeitsmarkts.“
Konkret durchlaufen die Frauen bei SOFIA mehrere Phasen, die aufeinander aufbauen. In einem ersten Schritt werden sie im Prozess des Ankommens gestärkt, gegebenenfalls psychosozial beraten, sie bekommen Hilfe beim Spracherwerb und werden durch den Hamburger Behördendschungel begleitet. Darauf aufbauend geht es um die realistische Einschätzung der persönlichen Situation. Kann ich auf meine bereits erworbenen beruflichen Kompetenzen aufbauen? Werden meine Abschlüsse in Ausbildung oder Studium in Deutschland anerkannt? Wie und in welchem Bereich kann ich in Deutschland beruflich Fuß fassen? SOFIA hilft den Frauen in dieser Phase, sich am Arbeitsmarkt zu orientieren. Gemeinsam werden aussagekräftige Bewerbungsunterlagen zusammengestellt, Praktikumsplätze vermittelt und Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen beantragt.
„Wenn lineare Berufswege
– etwa durch Krieg –
abgeschnitten sind,
wird Selbstverwirklichung
überlebenswichtig.“
Etwa 60 Frauen begleitet SOFIA jedes Jahr auf ihrem Weg in die berufliche Integration. Trotz einer hohen Resilienz, die bei den Frauen zu beobachten ist, bleibt diese Aufgabe für manche eine große Herausforderung. Wer mehrere Anläufe braucht, ist bei SOFIA jederzeit wieder willkommen und kann das freiwillige Beratungsangebot auch ein weiteres Mal in Anspruch nehmen.
Für Ludmilla war es hilfreich, bei der beruflichen Neuorientierung nicht allein zu sein. Ihr wurde im Gespräch mit der Beraterin bei BIN klar, dass der Supermarkt für sie nicht der richtige Ort für einen beruflichen Neuanfang ist. Stattdessen würde sie gern das tun, was sie wirklich gern tut: „Mein Traumberuf“, sagt sie, „ist Konditorin!“
Mit Hilfe von SOFIA hat sie sich auf den Weg gemacht, damit ihr Traum Wirklichkeit wird. Die Bewerbungsunterlagen sind abgeschickt…